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Über die Schulter geschaut in der HipHop Academy: Breakdance und Nu-Style

Die HipHop Academy
Die HipHop Academy in Hamburg - ein einzigartiges Projekt  in Deutschland - befindet sich im Kulturpalast im Wasserwerk. Abgesehen von Hatha-Yoga-Kursen, wie man auf der Tür eines zugehörigen Gebäude sehen kann, findet hier vor allem HipHop statt. Djing, Rap, Beatbox, Producing, Breakdance, NuStyle: das Angebot ist überwältigend.

Build your skills
Unter dem Motto "Build your skills" bringen hier erfahrene Coaches HipHop an die Frau oder den Mann. Diese sind taltentierte Anfänger, ambitionierte Könner und Semi-Profis. Das Training ist in verschiedene Level aufgeteilt, es vermittelt nach und nach das Handwerkzeug für eine professionelle Laufbahn.

Kostenlos
Eine Teilnahme an den Trainings ist kostenlos, dank der städtischen Unterstützung. Hier kann jeder vorbeischauen, der sich überlegt, ob das etwas für ihn ist und der lernen möchte wie es richtig geht. Hier hat jeder die Chance teilzunehmen. Doch großes Gehabe ohne etwas dahinter hat hier nichts zu suchen und würde niemals ausreichen.
Denn hier geht es um mehr als magere Sprüche, mehr als dicke Hosen, es geht um HipHop.

Breakdance-Training Level II - wann gehts los?
17:40 Uhr
Am Eingang vor dem Hof-Tor stehen ein paar Jugendliche und blicken auf das gläserne Café im Kulturpalast. In der Nähe, unten vor der Tür wartet auch ein 14 jähriges Mädchen mit braunen Locken - bis jetzt ist noch keiner da. Dann kommt der Trainer. Grünes Hemd ohne Ärmel, lockere Hosen. Sie begrüßen sich und ein paar Umstehende, organisatorisches wird geklärt. Wo sind die anderen, kommen sie noch?
.... vielleicht erstmal zu den NuStylern, die haben schon angefangen...

Nu Style im Gewölbe-Dungeon
...Musik schallt herauf und es geht die Treppen herunter in den Keller. Große, braungestrichene Gewölbebögen umspannen den Raum. Sie tragen die Decke, während ein paar Menschen sich im gedämpften Licht bewegen und ihren Style entwickeln, ihn perfektionieren. Eine Theke ist hinten rechts, davor ein paar Tribühnenteile. Links in der Mitte des Raums ein großer Spiegel, daneben wieder Bühnenteile. Man hat sich aufgewärmt, setzt sich kurz für einen Schluck Wasser auf das Bühnenteil, und spürt die Spannung, denn gleich geht es los:

Tony Winchester, alias Sarpong, bewegt sich zwischen den Teilnehmern, die sich wieder im Raum sammeln. Er verteilt Themen wie "Kampf", "Wut", "Agression". Hierzu sollen sie sich etwas Einfallen lassen - was verbindet jeder Einzelne damit - es sollen Bewegungen gefunden werden, die genau das ausdrücken. Nachher spielen dieses Bewegungen zusammen: im Tanz eines Einzelnen, der zur Choreographie wird. Dann können die Bewegungen von Einzelnen zur Bewegung einer Gruppe zusammenfließen.

Tony Wichester, alias Sarpong, gebürtiger Londoner

Tony ist 21 Jahre alt und Hamburger Jung, denn hier wuchs er auf. Das hielt ihn nicht davon ab, von Hamburg bis L.A. zu hiphoppen - d.h. Arbeiten mit Star-Choreographen, Filme drehen und vieles mehr. Bei Youtube oder Myspace kann man so einiges von ihm finden. Allein in Hamburg gibt er an 5 Tanzeinrichtungen Unterricht, z.B. bei On Stage, Savoy, etc. . Bald geht sein erstes eigenes Musical an den Start: "Wo willst Du hin?". Und das mit 21!
Zurück zum Training: Tony beobachtet, gibt Tips und leitet. Untereinander besprechen und probieren die Tänzer alles aus und geben sich gegenseitig Rat- und Vorschläge. Tony erklärt mir - das ist Teamwork. Es geht darum, dass jeder Einzelne seinen eigenen Stil entwickelt, und um die Fähigkeit, dass man in einer Gruppe zusammenarbeiten kann. Dann kann es professionell werden. Es soll nicht nur einen geben, der die ganze Zeit redet und der bestimmt. Jeder ist wichtig, jeder tanzt seine Einzigartigkeit. Alles ist erlaubt, wichtig ist vor allem der Style.

NuStyler Daniel aus Hamburg
Daniel ist mir bei den NuStylern aufgefallen. Seine Bewegungen sind etwas besonderes und stechen heraus, finde ich jedenfalls (die anderen Teilnehmer sind auch sehr gut). Seit etwa 1 1/2 Jahren ist er bei der HipHop Academy in Hamburg. Durch Metin kam er in Kontakt mit der HipHop Academy, bei der Metin Trainer und Organisator ist. Sie lernten sich bei einem Schulworkshop in Hamburg kennen. HipHop ist Daniels Leidenschaft. Das NuStyle Training findet einmal in der Woche statt, doch er trainiert jeden Tag außer Sonntag.

Die Musik schallt hinter der Theke hervor, die Gruppen bewegen sich. Der Tanz der Gruppe, in der David ist,  ist sehr abgehackt, eingefrorene Momente, die die Pausen der Musik sichtbar machen. Dennoch spürt man das Fließen der Bewegungen. Der Style ist deutlich zu sehen - und er reißt einen mit, denn er ist echt. Das sieht man sofort.
Ob es jetzt bei den Breakdancern losgeht?....

Breakdance II on top
...zur Zeit finden viele HipHop Veranstaltungen statt, an denen die HipHoper teilnehmen. So auch heute, und wohl  deshalb ist Jennifer Schulze, das Mädchen, das vorhin draußen wartete, abgesehen vom Trainer die einzige, die zum Training erscheint - die anderen sind noch woanders beschäftigt.
Es geht ganz, ganz nach oben in das ausgelagerte Gebäude, Stufe für Stufe. Die Tür geht auf - das Wort Studio erscheint - in meinem Kopf. Große Fenster, Parkett, schwere blaue Vorhänge, eine knollige Musikanlage, Stühle und ein, zwei Tische. Ja, so stellt man sich einen Übungsplatz für BreakDance oder Ballett vor - in Hamburg, London, New York. Da sind sie, die zwei Breaker, und nach einer Weile beginnen sie zu üben.

Jennifer Schulze und das Schilfgras

Jennifer ist biegbar wie Schilfgras und macht die abgedrehtesten Verrenkungen. Zum Beispiel den "Holder Back": ein Handstand, den Kopf von hinten nach vorne ziehen und aus dieser Position wieder auf die Beine springen.
Der Wahnsinn. Jennifer scheint das nicht zum ersten Mal zu machen.
Sie macht nicht nur HipHop, diese Sportskanone - seit 4 Jahren spielt sie Fussball, macht Leichtathletik, tanzt Ballett. Im zarten Alter von 4 Jahren machte sie schon Sport im Verein: Rhythmische Sportgymnastik (Für die, die es noch nicht wissen - es ist eine olympische Disziplin!)
Jetzt kam vor einem Jahr HipHop dazu - auch bei ihr war es Metin, der ihre Begeisterung weckte: mit Breakdance und NuStyle. Aber NuStyle tanzt sie ohne Training. Das macht sie einfach so, wie ihr es gefällt. So unterschiedliche Sportarten, beisst sich das nicht? - sie sagt nein, Vielseitigkeit macht einen guten Tänzer aus. Wie viel Sport dieses Mädchen macht, meine Güte. Manchmal überschneiden sich die Trainingszeiten, da wird dann nach Lust und Laune entschieden, was heute dran ist. Auf die Frage, was sie hier lernt antwortet sie: die Grundbasics und einen eigenen Style, Professionalität.
Jennifer verrät was HipHop ist: Aus negativer Engergie positive Energie machen (dies ist der Leitspruch von Trainer Delles) - und warum sie so gern tanzt und Breakdance macht: Weil es schön ist sich so kreativ zu bewegen, weil sie Leute die zuschauen mitreißen möchte: Wenn sie sie sehen, dann sollen sie sich überlegen, ob sie nicht auch mittanzen wollen. Es macht Spaß, auf jeden Fall. Sie sagt - "Nicht so aufgesetzt, weisst Du..."
Und sie kann es auch. Am liebsten mag sie Figuren mit Brücken und den eben beschriebenen Holder Back.

Die Überraschung

Die Musik von Delles, dem Trainer läuft. Die beiden proben alles mögliche, rotieren auf dem Boden, üben Bewegungsabläufe. Sie drehen sich hierhin und dorthin, und möglichst im gleichen Takt.
Hm, aber was ist dass den eigentlich für Musik, die Delles da angeschaltet hat - das ist ja garnicht der HipHop, der so im Radio läuft? Das ist ja so rockig, funkig, jazzig - mit Bässen und Rhythmus. Es gefällt mir, geht sogar in die ein bisschen schräg-schöne Steely Dan-Richtung?!? Man hätte mich nicht besser vom Stuhl schmeissen können!
Delles erklärt es mir: Die ersten HipHop Tänzer haben sich gesagt - Du musst gut tanzen können und auftreten wie nur ein richtiger "Rocker" es kann. Deshalb haben auch viele Bewegungsabläufe einen Namen, der mit den Buchstaben r-o-c-k-s, rocks, kombiniert ist. Delles erzählt mir von den verschiedenen Stilrichtungen, und wie sie entstanden sind: Locking, Poppin, Boogaloo, und noch viel mehr. Wer hätte gedacht, dass Boogie-Woogie etwas mit HipHop zu tun haben könnte. Und wer hätte jeh geahnt, dass HipHop Tänze in Japan den selben Rang wie Standardtänze erreichen würden? Ich kann mir leider nicht alles merken, aber es ist total spannend. Delles kennt sich aus, er lebt HipHop.

B-Boy Delles, der Profi
Und er ist ein Profi, wie er im Buche steht: er ist in der Breakdance Formation "Elbcoast click", hat in TV-Werbespots mitgewirkt, war bei MTV und "Pimp my whatever", Bei der "ARD Roadshow", "Top of he Pops". Und noch mehr: Eventmanager bei Mopo-Veranstaltungen, Hafengeburtstag, Eon Hanse Days, Breakdance-Kurse in ganz Europa, es scheint kein Ende zu nehmen.
So kommt es auch dass er und sein HipHop Partner Metin Demirdere (der eine nicht minder Lange Liste an Erfahrung vorzuweisen hat) einen großen Part in der HipHop Academy Hamburg einnehmen. Die beiden kennen nicht nur die Hamburger Szene und haben viele Trainer mit ins Boot geholt. Metin ist seit 4 oder 5 Jahren Partner von Delles, der seit ca. 1990 HipHop lebt.
Delles erzählt vom Training: Dieses Jahr sind es 10 Jugendliche in der Gruppe. Die Arbeit mit den Jugendlichen in der HipHop Academy macht Spaß - und die Jugendlichen profitieren davon: Dieses Projekt ist keines der Projekte, die Jugendliche mal so für ein halbes Jahr beschäftigt und sie dann wieder fallen lässt. Hier werden Perspektiven geschaffen, hier wird gefördert, es ist professionell. Es wird gekämpft und in der Gruppe gearbeitet. Ohne Teamwork und Respekt geht es nicht. Keine halben Sachen. Etwa 20% hören wieder auf, es stellt sich heraus, wem es wirklich liegt und wem nicht - die anderen machen weiter.
Was lernen die Jugendlichen: Basics, wie man Tanz-Sets macht, und sie können sie ihren eigenen, individuellen Stil entwickeln. Für das Equipment sorgen Sponsoren, für den Schutz sorgen Headspin-Mützen und Ellenbogenschützer.



Nebenwirkungen
Und wie wirken sie, die BreakDancer und NuStyler? Ausgeglichen und glücklich - was die können, kann nicht jeder:
Aus negativer Energie positive machen

 

 

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